Sanierung eines Wohnhauses der Frankfurter 20er Jahre

 

Das 1928-29 errichtete Wohnhaus hat als direktes Vorbild das im Stil des Neuen Bauens errichtete Wohnhaus des Frankfurter Stadtbaudirektors Ernst May (1925-1930).

Das Terrassenhaus zeugt vom Diskurs der Architekten und Ihrer Suche nach einer neuen Bauform. Einige Ausführungsdetails, wie das flach geneigte Dach, die Grundrissgestaltung und die Gestaltung der Treppe belegen den Übergang vom traditionellen zum „Neuen“ Bauen.

Der, durch das nach Süd-Westen ausgerichtete Terrassenhaus, bewusst gestaltete Bezug zur Natur, die Orientierung der Räume nach dem Sonnenlicht und der terrassenförmig angelegte Nutzgarten sind eindeutig dem Neuen Bauen zuzuordnen.

Die durch den Umbau von BAS realisierte Wohnraumerweiterung im Untergeschoß orientiert sich zu den verschiedenen Gartenniveaus und verfolgt erneut das Ziel Außen- und Innenraum miteinander zu verweben. Nach Süden entsteht eine tieferliegende Terrasse die durch eine überwachsene Pergola den Übergang zum Südgarten herstellt. Im Westen und Norden liegen weitere neue Terrassen auf unterschiedlichen Geländeniveaus und ermöglichen eine fliesende Nutzung von Außen- und Innenraum.

Durch Rückbau eines in den 70er Jahren ergänzten Vorbaus wurde die Eingangssituation der 20er Jahre wiederhergestellt.

Neben der Feuchteisolierung und grundlegenden Erneuerung der Haustechnik spielte die thermische Ertüchtigung der Gebäudehülle eine wesentliche Rolle. Um die charakteristische 20er Jahre Fassade durch die zusätzliche Außendämmung nicht zu zerstören, wurden die neuen Fenster nach außen in die Dämmebene geschoben. Im Inneren entstehen wunderbar tiefe Leibungen. Die historischen Leibungsverkleidungen wurden wiederaufgearbeitet und in Richtung der Fenster ergänzt. Alt und neu bilden durch Pinselstrich Lackierung eine harmonische Einheit.

Für den neuen 2-3 cm starke, durchgefärbten mineralischen Edelkratzputz wurde der Bestandsputz chemisch analysiert und die ursprüngliche Farbfassung mit Glimmerzuschlag wiederhergestellt. Der Edelkratzputz ist als Oberfläche sehr lebendig und altert im Gegensatz zu den herkömmlichen Putzsystemen auf WDVS sehr schön.

Im Eingangsbereich wurde die kleinteilige Raumstruktur aufgelöst und ein ordnendes „Möbel“ aus Eichenholz auf Sichtestrich in den offenen Raum gestellt. Der kubische „Schrank“ übernimmt verschiedene Funktionen wie Sitznische, mehrere Garderoben, Gäste-WC und Schreibplatz.

Eine, mit dem Stil des Neuen Bauens brechende, original erhaltene, elegant geschwungene Treppe wurde als „Objet trouvé“ erhalten. Sie erinnert an den ersten Hausbewohner, einen berühmten Tenor der Frankfurter Oper.

Das Farbkonzept von BAS nimmt die bauzeitliche Farbgebung der hellen Gelb- und Grautöne auf und ersetzt den roten Teppich der Treppe durch eine rote Farbfassung. Der individuell entwickelten raumbildende Ausbau von Kubus, Küche und Wohnzimmerregal begreift die Möbel als Miniaturarchitekturen die ein Spiel von Linien und Flächen im Raum vorführen.

Das neue Elternbad kombiniert den erhaltenen bauzeitlichen ArtDeco Waschtisch und die noch erhaltenen Einbauschränke mit Replikaten historischer Wandfliesen. Im Kinderbad erzeugen dies Craquelé-Fliesen in blauer Farbe eine verspielte Buntheit.

Bei der Arbeit haben wir das Haus in seiner Substanz, seinen Details, Nutzungs- und Bewohner Geschichten kennengelernt und durften in der respektvollen Auseinandersetzung den Dialog mit diesem wundervollen Ort weiterführen.